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Schiff ohne Steuermann - braucht die moderne
Holzheizung die Lambdasonde?
Würden Sie sich heute ein Auto ohne
Lambda-Sonde zulegen? Am niedrigen Kraftstoffverbrauch moderner
Verbrennungsmotoren sind diese Abgasschnüffler maßgeblich beteiligt. Zu diesen
Messzellen gibt es auch bei deren Einsatz zum Regeln komplex ablaufender
Holzverbrennungsprozesse in modernen Holzheizanlagen keine Alternative.
Eine Holzheizung ohne Lambdasonde ist wie ein Schiff ohne Steuermann, ein
Fernsehen ohne Fernbedienung, ein Fahrrad ohne Gangschaltung, ...
Optimal verbrennt ein Brennstoff,
wenn der in ihm enthaltene Kohlenstoff 100%ig zu CO2 reagieren würde.
Erdgas und Öl sind sehr spezifizierte Brennstoffe mit stets gleichen
Eigenschaften. Ist deren Brenner einmal korrekt eingestellt, verbrennt der
Kohlenstoff bis zur nächsten Heizungswartung optimal.
Bei Holz funktioniert das leider
nicht ganz so einfach. Selbst bei genormten Holzpellets führt deren
Eigenschaftenstreuung aber auch das Problem der kontinuierlichen Mengendosierung
in die Brennkammer zu schwankenden Verbrennungsabläufen. Die
Schadstoffemissionen sowie die Abgasverluste schwanken und sind meist nicht
minimal. Da fehlt die gute Seele, die in Kenntnis des Restsauerstoffs im Abgas
permanent und quasi verzögerungsfrei dem Holz die optimale Primär- und
Sekundärluftmenge zur Verbrennung beimischt.
Diese Aufgabe kann aber auch, in
Verbindung mit ein wenig Regelungstechnik, die Lambdasonde übernehmen. In
Abhängigkeit vom Restsauerstoffgehalt im Abgas erzeugt die Sonde permanent und
verzögerungsfrei eine elektrische Spannung, die intelligente Elektronik
auswertet und augenblicklich in Befehle an Lüftermotoren oder
Servolüfterklappen umsetzt. Diesen komplizierten und spontanen Regelungsvorgang
auszuführen, ist der in manchen Holzheizungen lediglich verwendete
Abgastemperaturfühler nicht in der Lage. Dieser gibt nur Aufschluss darüber,
ob Feuer im Kessel und wie stark die Verbrennung ist. Die Abgastemperatur ist
kein Maß für die Qualität der Verbrennung. Hierzu bedarf es unabdingbar einer
spezialisierten Messzelle wie der Lambda-Sonde.
Natürlich gibt es Holz(-pellet-)heizungen, die auch ohne Lambdasonde mit hohen Wirkungsgraden
werben. Hier muss aber angemerkt werden, dass deren Prüfstandsmessungen mit
saubersten Kesseln und optimalen Brennstoffeigenschaften, im Alltagsbetrieb der
Kesselanlagen kaum nachvollziehbar sind. Natürlich regeln alle Pelletsheizungen
von Biotech
serienmäßig mit Lambdasonde.
Auch der Holzvergaser BMK (Biomassekonverter) von
Guntamatic regelt mit Hilfe
einer Lambda-Sonde zwei Servomotoren für die Luftbeimischung und das
Saugzuggebläse. Das Ergebnis: Wirkungsgrad bis 95% trotz wechselnder
Brennstoffformen (Stückholz, Pellets, Industriepellets, Hackgut, ...)
Funktion der Lambda-Sonde
Die Lambda-Sonde misst permanent und
verzögerungsfrei, genau und über Jahre zuverlässig den Sauerstoffanteils im Abgas.
Der ermittelte Messwert gibt an, wie vollständig
bzw. unvollständig das Holz in der Reaktionszone des Heizkessels verbrennt. Die
Lambda-Sonde ermittelt die Sauerstoffkonzentration durch eine vergleichende
Sauerstoffmessung: Der Sauerstoffgehalt der Außenluft wird mit dem
Restsauerstoff im Abgas verglichen. Schwankt die Differenz, so entsteht an den
Elektroden eine elektrische Spannung, die sich im Millivoltbereich bewegt. Diese Unterschiede werden über ein
Spannungssignal an das Steuergerät weitergegeben. Das Steuergerät korrigiert
dann Lüfterleistung und Luftklappeneinstellung entsprechend.
Das Verhältnis der tatsächlich
zugeführten Luftmenge zum theoretischen Luftbedarf wird als Luftzahl oder Lambdawert
bezeichnet.
λ = 1 heißt also,
dass die zugeführte Luftmenge dem theoretischen Luftbedarf entspricht.
Die Lambdasonde besteht im Wesentlichen aus einem
Spezialkeramikkörper, dessen Oberflächen mit gasdurchlässigen
Platinelektroden versehen sind. Der Festelektrolyt ist in einem Stahlgehäuse
eingebracht. Der äußere Teil des Keramikkörpers befindet sich im Abgasstrom,
der innere Teil steht mit der Außenluft in Verbindung. Die Wirkung der Sonde
beruht auf zweierlei physikalischen Faktoren:
- Zum einen ist das keramische Material porös
und lässt so eine Diffusion des Luftsauerstoffs zu,
- zum anderen wird die Keramik bei Temperaturen
von ca. 300° leitend.
Die herkömmliche Lambdasonde arbeitet im
Prinzip wie ein Galvanisches Element, nur dass sie keinen flüssigen sondern
einen festen Elektrolyten, nämlich Zirkondioxyd (ZrO2), besitzt. Dieser
Keramikelektrolyt lässt ab 300°C Sauerstoffionen
durch, sperrt jedoch gegen Durchlass für Elektronen. Die Sauerstoffionen
wandern von innen (Außenluft) nach außen (Abgas), weil im Abgas eine geringere
Konzentration (geringerer Partialdruck) von Sauerstoff besteht
(Ausgleichsbestreben! - Gesetz von Dalton). Die vorher abgestreiften Elektronen
(die ja nicht durch den Elektrolyten hindurch können), werden von einer
elektrisch leitenden Schicht aufgefangen. So bildet sich auf der
Innenseite der Sonde ein Elektronenüberschuss und auf der Außenseite, wo die Sauerstoffionen ankommen, ein Elektronenmangel, also insgesamt
eine elektrische Spannung. Diese wird über Leitungen zur
Auswertung zum Steuergerät geleitet.
Die Ionenwanderung verursacht ein sprunghaften
Anstieg der Sondenspannung. Dieser Spannungssprung wird zur Lambdaregelung
benutzt. Übrigens bezeichnet man solche Sonden auch als Spannungssprungsonden.
Um die Sonde nach dem Brennerstart schnell auf Betriebstemperatur zu bringen, werden beheizte Sonden eingesetzt.
Diese weisen nicht nur einen, sondern drei bzw. vier elektrische Anschlüsse
auf. Bei Sonden mit drei elektrischen Anschlüssen wird die Masse für das
Heizelement herausgeführt. Bei Sonden mit vier Anschlüssen sind Signalmasse
und Heizelementmasse getrennt. Dadurch werden Störungen vermieden, die durch
Korrosion und Dichtungen an den Masseverbindungen auftreten können.
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